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Schulterschluss gegen Schulschließung

Reiner Bender und Axel Witte setzen auf Kooperation / Abschaffung der Schulbezirke als Ziel

(Quelle: Hildesheimer Allg. Zeitung, 12.08.10) Söhlde/Ottbergen. Die Gemeindebürgermeister von Söhlde und Schellerten sind von der Zukunft beider Schulstandorte fest überzeugt. Statt über Schließungen zu reden, fordern sie die Abschaffung der Schulbezirke in Stadt und Landkreis.

Lokal handeln, regional zusammenarbeiten: Unter diesem Motto fassen die beiden Bürgermeister Reiner Bender, Söhlde, und Axel Witte, Schellerten, die derzeitige Schuldiskussion über etwaige Schließungen zusammen. Als die Hauptund Realschule in der Vergangenheit als Wackelkandidat genannt wurde, sprang CDU-Mann Witte seinem Kollegen zur Seite. Bei der Debatte über die Richardvon- Weizsäcker-Schule in Ottbergen bildet nun SPD-Mann Bender eine gemeinsame Front mit Witte gegen den Landkreis.

“Die Schulverwaltung sagt selbst, dass eine Schulentwicklungsplanung nicht nötig ist, und jetzt legt sie ein Vorschlagspapier vor. Warum?”, fragt Bender. Er kritisiert den Zeitpunkt auch im Hinblick auf die Entwicklungen in Hannover. Dort legen Kultusminister Bernd Althusmann und der neue Ministerpräsident David McAllister das schuldogmatische Korsett ab und öffnen die Diskussion über Klassengrößen und Rahmenbedingungen für Gesamtschulen. “Statt auf diese Entwicklungen einzugehen, will die Schulverwaltung offensichtlich Tatsachen schaffen”, vermutet Witte.

Beide Gemeinden arbeiten derzeit mit allen Beteiligten in einer Zukunftswerkstatt zusammen, um eine Lösung für beide Standorte zu finden. “Wir haben keine Denkverbote”, sagt Witte. Aber eines ist für alle das gemeinsame Ziel: “Beide Standorte bleiben erhalten.”

Gemeinsam können die Schulen eine dauerhafte Fünfzügigkeit sichern, vor allem, wenn Hannover die Klassengrößen runterfährt.

Denkverbote kennen die beiden auch im größeren Rahmen nicht. “Das beste ist, Stadt und Landkreis geben die Schulbezirke auf”, sagt Bender, “den Wettbewerb brauchen unsere beiden Schulen nicht zu scheuen.” Und die Freikarten für den öffentlichen Nahverkehr sollten künftig an alle Schüler bis zur zehnten Klasse ausgegeben werden können, schlagen beide vor. “Damit können alle Schüler problemlos die Bildungseinrichtungen in Hildesheim nutzen”, begründet Witte den Vorschlag. Und Hartz-IV-Empfänger seien damit grundsätzlich aus dem Schneider.

“Die Eltern werden auf Dauer einsehen, dass große Gesamtschulen nicht automatisch die beste Lösung für ihre Kinder mit Haupt- oder Realschulempfehlung sind”, fügt er hinzu. “Die Menschen wollen eine moderne Schule”, ergänzt Bender. Und damit seien am Ende alle gefordert: Schulträger ebenso wie die Kommunen, Schulleitungen und das Kollegium.

Das funktioniere auch über den Tellerrand hinaus. Im Grundschulbereich hat das Schellerten bereits bewiesen. Auch die Kirchengemeinden und Feuerwehren arbeiten längst im Bördeverbund von Schellerten und Söhlde eng zusammen. Ein Verbund, zu dem auch die Gemeinde Holle als Partner zählt.

“Die demografische Entwicklung bietet große Chancen für eine Stärkung der regionalen Politik in der Fläche”, sagt Bender. Dafür müsse man aber offensiv agieren und sich nicht auf Schulschließungen zurückziehen. “Das führt am Ende dazu, dass die Sogwirkung von Hildesheim den Landkreis noch mehr ausdünnt”, fürchtet Witte.

Beide haben für ihre Gemeinden beim Landkreis den Antrag gestellt, die Frist für eine Stellungnahme zu verlängern. Ursprünglich sollte die bis zum 20. August vorliegen. Landkreis-Schuldezernent Karl-Heinz Brinkmann bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass der ursprünglich für den 2. September angesetzte Schulausschuss voraussichtlich verschoben wird. Nächster Termin ist nun am Dienstag, 14. September.